Die Internetseite Startseite | Römer in Nordrhein-Westfalen (roemer.nrw) hält viele wertvolle Informationen und Ressourcen für an Archäologie und Realien Interessierte bereit - auch über NRW hinaus. Sie sei daher zum Besuch empfohlen.
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Rez.: Lobe, Michael, Laetae Latebrae Litterarum. Gesammelte Streifzüge durch die lateinische Literatur. Rombach Verlag: Baden-Baden 2025. EUR 109,- (ISBN 978-3-98858-149-5).
Michael Lobe gehört aktuell zu den profiliertesten Klassischen Philologen und Fachdidaktikern im deutschsprachigen Raum. Dies zeigen seine zahlreichen Aufsätze, Schullektüren, die er auch als Herausgeber mehrerer Reihen vor allem im Buchner Verlag betreut, und seine Vorträge. Außerdem ist er an der Publikation mehrerer Lehrwerke beteiligt. Mit dem zu besprechenden Band liefert er eine Sammlung von Aufsätzen, die an verschiedenen Orten publiziert wurden und nun als „Streifzüge durch die lateinische Literatur“ – so der Untertitel des Buches - vereinigt sind. Der gewählte Titel mit der Alliteration zeigt bereits Michael Lobes Fähigkeit und Neigung, sich einer präzisen Sprache zu bedienen, die rhetorisch ausgereift und manchmal auch blumig geprägt ist. Man erkennt in vielen Beiträgen nicht nur den Klassischen Philologen, sondern auch den Germanisten, einerseits am Sprachduktus, andererseits daran, dass er in verschiedenen Beiträgen römische und deutsche Klassiker vergleicht.
Im Vorwort (7) erläutert Bernhard Zimmermann, emeritierter Gräzist der Universität Freiburg/Br. und Herausgeber der Reihe Paradeigmata, die Zielsetzung dieser Reihe und stellt mit knappen Worten die Aufsatzsammlung von Michael Lobe vor. Er erinnert in diesem Zusammenhang daran, dass die von Manfred Fuhrmann „konstatierte Krise des Lateinunterrichts an Schulen und Universitäten vor 50 Jahren“ (7) inzwischen überwunden ist, weil sich die Didaktik der Alten Sprachen seitdem in bemerkenswerter Art und Weise entwickelt hat, „die sich im Kanon der schulischen Fächer sehen lassen kann“ (7).
Liest man die Titel der 33 Beiträge, so kristallisieren sich einige Schwerpunkte heraus: als erster ist die Literatur der augusteischen Epoche zu nennen, wobei Ovid eindeutig im Zentrum der Aufsätze steht. Dabei übernimmt Michael Lobe (L.) nicht einfach bisherige Thesen, sondern stellt sie teilweise in Frage, erkenntlich an dem Fragezeichen der ersten Station: Ein goldenes Zeitalter? (15-87). Der Verfasser attestiert Livius und Ovid, mit künstlerischen Mitteln die Ideologie des Prinzipats zu entlarven und als Aufklärer tätig zu sein. Im zweiten Aufsatz der ersten Station gelingt dem Autor der Nachweis, dass Augustus erfolgreich bemüht war, den Glanz der Helden der Vorzeit auf seine Person und seine Familie zu übertragen, und machte dies durch die Identifikation mit Apollo deutlich; der Nachfolger Caesars wählte bewusst die Parallelisierung mit Apollo, Jupiter und Merkur, um seine Herrschaft zu legitimieren (Neptunische Konnotationen der Augustusgestalt am Beispiel von Vergils Aeneis und der Panzerstatue von Prima Porta, 31-40). Hier wie auch in anderen Beiträgen wählt L. passende lateinische Textstellen aus und interpretiert sie nachvollziehbar unter der jeweiligen Fragestellung. Meist, nicht immer werden diese Abschnitte auch in deutscher Übersetzung angeboten. Am Ende der Beiträge wird jeweils der erste Publikationsort angeführt. Eine oft behandelte Frage greift auch L. auf, nämlich die, warum der Dichter Ovid nach Tomis verbannt wurde (Das Geheimnis von Ovids Verbannung, 41-56). Zunächst geht er auf Ovids eigene Aussagen ein, stellt dann einige Theorien vor, die bisher präsentiert wurden, und liefert auch Überlegungen über die Wahl des Exilortes. L. vermutet „eine perfide implizierte Botschaft an Ovid“, die Augustus gesendet habe (56). „Etwa in diesem Sinne: Wenn du es wagst, ein dramatisches Sujet zu wählen, das Parallelen zur Kaisergattin zumindest denkbar erscheinen lässt, dann soll dir nun die Gelegenheit gegeben werden, über die echte Medea dort zu recherchieren, wo sie ihr Unwesen betrieben hat“ (56). Auch im folgenden Beitrag (Liebesdichter oder Zeitenrichter? Der Ovid der Amores, 57-74) verbirgt sich die Suche nach dem wahren Grund für die Verbannung des Dichters nach Tomi. L. hat einige Zitate aus dem Erstlingswerk Ovids ausgewählt, die belegen sollen, „wie respektlos und spöttisch Ovid mit augusteischen Idealen und Ideologemen umgesprungen ist“ (57). Wenn der Dichter der Amores mit typischen Werten des Augustus, nämlich pudor und fides spielt, dekonstruiert er in provokativer Art und Weise solche Werte und letztlich sogar die Sitten- und Ehegesetzgebung des Prinzeps (58). Zum Schluss des Beitrags stellt L. die Frage an die Leserinnen und Leser, ob Ovid als tenerorum lusor amorum der „charmante, witzige, ironisch tändelnde Spielmann zarter Liebeserfahrungen“ oder doch als temporum illusor ein Dichter war, „der durch eigene negative Erfahrungen angekränkelte Spötter über die Widersprüche und Risse des Saeculum Augustum“ war, „der eben dadurch prädestiniert war, später in den Zirkel der binnenoppositionellen julischen Fraktion des Kaiserhauses zu gelangen, um mit ihm in den Abgrund gerissen zu werden?“ (74). Möglicherweise gibt es nicht nur einen einzigen Grund für die Verbannung, sondern ein „Konglomerat“ von Gründen, die Augustus veranlasst haben, den Dichter Ovid an das damalige Ende der Welt zu relegieren. Der Titel der zweiten Station (Die Macht der Bilder, 91-108) erinnert an ein berühmtes Buch von Paul Zanker (Augustus und die Macht der Bilder, München 11987). Im ersten Beitrag dieser Station stellt L. die beiden Gemälde des Timomachus vor, die Caesar auf dem Forum Iulium hat aufhängen lassen (Cäsar und die Macht der Bilder, 91-99), im Fokus des zweiten Beitrags steht die Ode IV des Dichters Horaz (Horazens letzte Ode und die Macht der Bilder, 101-108). L. sieht in diesem Fall keine Auftragsarbeit des Herrschers, ebenso gilt dies seiner Meinung nach auch für andere Kunstgattungen und deren Vertreter (101). „Das oft frappierende Zusammenspiel augusteischer Kunstgattungen darf man sich dabei (…) eher als Resultat der Ideengemeinschaft eines Intellektuellenzirkels um den Princeps vorstellen“ (101). Daher ist es auch verständlich, dass Horaz die entscheidenden Ideen in seiner Ode verarbeiten konnte, weil er sie kannte, bevor die Ara Pacis bzw. das Augustusforum vollendet waren (101).
Ein zweiter Schwerpunkt des Buches ist der Vergleich zwischen dem römischen Imperium und den neuen Imperien, insbesondere dem Imperium der USA. L. ist es natürlich bewusst, dass ein Vergleich zwischen den USA und dem römischen Reich problematisch ist, aber man kann eine lange Tradition erkennen. Viele Bundesstaaten verwenden lateinische Motti, die an die republikanischen Ideale wie Freiheit und Siedlerfleiß (111) erinnern. Im ersten Beitrag (USA und ROM. Über Macht und Ohnmacht zweier Großmächte, 111-146) der dritten Station (Alte und neue Imperien, 109-165) geht L. auf Parallelen zwischen den beiden Mächten ein (also etwa Arm-Reich-Gefälle, militärische Übermacht, Propaganda der Unbezwingbarkeit usw.), um dann inneramerikanische Positionen zum Thema zu beleuchten (123-133), die ich hier natürlich nicht vorstellen kann, und danach außeramerikanische Positionen zu präsentieren und zu kommentieren (133-144). Obwohl der Aufsatz von 2010 datiert, ist er immer noch hochaktuell. Auch die beiden folgenden Beiträge befassen sich mit dem Vergleich der beiden Imperien; dabei steht der Aeneasmythos im Vordergrund (Amerikanischer und europäischer Äneas – Von der Aktualität des vergilischen Äneas-Mythos, Teil I, 147-154; Äneas in Amerika – Von der Aktualität des vergilischen Äneas-Mythos, Teil II, 155-165). Auch wenn ein bekannter Latinist und Vergilexperte wie Werner Suerbaum bereits 1999 konstatierte, dass Vergil nach dem zweiten Weltkrieg in der deutschen Literatur nur wenig rezipiert wurde (147), liefert L. einige Beispiele von Autoren (148-154), die den Mythos des Aeneas durchaus aufgegriffen haben. L. beobachtet dabei, dass „ihnen die politische Funktionalisierung dieses Mythos für die je eigene Argumentation gemeinsam ist“ (148). Deutlich erkennbar ist Lobes Bestreben, Vergils Aktualität hervorzuheben und für eine intensivere Behandlung seiner Werke einzutreten. Dies ist durchaus verständlich, hat L. doch seine Dissertation diesem bedeutenden Dichter der augusteischen Zeit gewidmet (Die Gebärden in Vergils Aeneis. Zur Bedeutung und Funktion von Körpersprache im römischen Epos. Frankfurt/M. 1999).
Ein dritter Schwerpunkt des Buches liegt in der Präsentation und Interpretation neulateinischer Texte (Vierte Station: Neulateinische Glanzstücke, 169-288). Die Beschäftigung mit solchen Texten hat in den letzten Jahrzehnten deutlich zugenommen. Es gibt einige Überblickswerke, in denen die Entwicklung des Neulateins aufgezeigt wird. Neben älteren Opera wie die von J. IJsewijn (Companion to Neo-Latin Studies. Amsterdam, New York, Oxford 1977, Ders., Companion to Neo-Latin Studies. Part I. History and Diffusion of Neo-Latin Literature. Leuven/Louvain 1990), fortgeführt von J. IJsewijn/D. Sacré (Companion to Neo-Latin Studies. Part II. Literary, linguistic, philological and editorial questions. Second entirely rewritten edition. Leuven/Louvain 1998) sind jüngere Publikationen zu nennen wie von W. Stroh (Latein ist tot, es lebe Latein! Kleine Geschichte einer großen Sprache. Berlin 52008), J. Leonhardt (Latein. Geschichte einer Weltsprache. München 2009) und M. Korenjak (Geschichte der neulateinischen Literatur. Vom Humanismus bis zur Gegenwart. München 2016). Diese Überblickswerke sind natürlich wichtig, notwendig sind aber auch Studien zu einzelnen Autoren, wie L. sie vorgelegt hat. Er hat sich hauptsächlich drei Autoren gewidmet. Zunächst folgen Darlegungen zu Josef Eberle (»Meine Ferien im Latein gehören zu den schönsten, die ich je genossen habe.« Zum dreißigsten Todesjahr des schwäbischen Martial Josef Eberle (1901-1986), 169-191), (»Nur der Irrtum ist das Leben, und das Wissen ist der Tod…«. Josef Eberles Thrasyllus-Gedichte, 193-205) und (Kastalische Koryphäen. Ein Epigrammzyklus über römische Dichter in Josef Eberles Büchlein Cave Canem, 207-225). Im ersten Beitrag liefert L. Informationen über das Leben Josef Eberles (169-173). Danach präsentiert er einige Textabschnitte auf Latein und Deutsch, die er interpretiert und auch mit Gedichten deutscher Poeten wie Gottfried Benn, Erich Kästner oder Ernst Jandl - um nur einige Beispiele anzuführen – vergleicht. Sehr aufschlussreich ist auch die Deutung des Gedichtes Thrasyllus, das in zwei Fassungen existiert, eine datiert aus dem Jahr 1959, die zweites aus dem Jahr 1970 (194-203). L. erörtert mögliche Gründe für Eberles Neufassung dieses Gedichtes, die gut nachvollziehbar sind. Mit einem anderen Dichter, der lateinische Gedichte verfasst hat, hat sich L. ebenfalls intensiv beschäftigt: Hermann Weller (1878-1956), der wie J. Eberle aus Schwaben stammt (Lux verae humanitatis effulgeat. Zum sechzigsten Todesjahr des schwäbischen Horaz Hermann Weller, 227-241, und Von allen guten Geistern verlassen. Hermann Wellers Gedicht Europa (1923) und seine Aktualität (243-261). Dass ihm besondere Wertschätzung entgegengebracht wurde geht schon daraus hervor, dass er am sogenannten Certamen Hoeufftianum häufig teilgenommen und zwölfmal die Goldmedaille zugesprochen bekam (227). Hermann Weller war nicht nur Klassischer Philologe, sondern hatte auch Französisch und Hebräisch und vor allem Indologie studiert. Nach vielen Jahren im Schuldienst wurde er 1938 Privatdozent und außerplanmäßiger Professor für Indische Philologie an der Universität Tübingen. Er entging nationalsozialistischen Repressalien durch geschicktes Taktieren und vor allem durch seinen Rückzug auf rein sprachliche Themen wie etwa die arische Metrik (228). Wer einen kleinen Eindruck der Gedichte Wellers erhalten möchte, möge den Überblick über die carmina Latina studieren, die L. für die Leserinnen und Leser bereithält (230-237). Im zweiten Beitrag wird der Dichter als zweiter Ovid vorgestellt (243-250). Der dritte Aufsatz der vierten Station befasst sich mit einem Gedicht des italienischen Dichters Giovanni Pascoli (1855-1912): Ultima linea (263-288). Nach einigen Angaben zu Leben und Werk Pascolis offeriert L. den relativ langen Text auf Latein (142 Verse) nebst eigener deutscher Übesetzung, danach eine textchronologische Deutung (274-282) und eine hilfreiche Zusammenfassung der Interpretationsergebnisse. Auch auf Besonderheiten von Pascolis dichterischem Verfahren geht L. ein; der Dichter ist nach Einschätzung Lobes um eine „subjektive Rekonstruktion der Antike im Medium der Poesie“ bemüht (286).
In der fünften Station (Alte Texte neu gelesen, 291-307) werden nochmals Textabschnitte von Ovid und Vergil behandelt und mit Situationen in der aktuellen Gegenwart verglichen. Rezeptionsaspekte spielen auch in der sechsten Station eine große Rolle (Lebendige Nachwirkung, 311-344). In einem Beitrag werden Brücken zwischen Martials Epigramm VIII 79 und Darlegungen von Baltasar Gracián und Arthur Schopenhauer geschlagen, in einem weiteren Aufsatz zwischen Martial und Robert Gernhardt, während zwei Gedichte der Historia Augusta in einem dritten Aufsatz im Vordergrund stehen, die von Florus und Kaiser Hadrian stammen und als Neckerei zwischen den beiden verstanden werden können (327). Auch Johann Wolfgang von Goethe hat sich in der 15. Römischen Elegie mit dieser Thematik befasst, ebenso die französische Schriftstellerin Marguerite Yourcenar in ihrem Roman »Mémoires d‘Hadrian«. Hier liefert der Fachdidaktiker Michael Lobe Überlegungen, wie diese Texte und deren Rezeption im Unterricht behandelt werden könnten – wie er es zuweilen in bisher genannten Beiträgen bereits praktiziert hat. Der letzte Aufsatz befasst sich mit dem Motiv der Jagd bei Martial, Plinius und Roda Roda (335-344).
In der siebten Station sind sechs Beiträge vereinigt, die den fünften Schwerpunkt darstellen: Didaktische Brücken (347-400). Im ersten Aufsatz (Freude am Latein? Freude am Latein!, 347-355) geht L. der Frage nach, wie es Lehrkräften gelingen kann, ihre Schülerinnen und Schüler für Latein zu begeistern, sie zu motivieren und möglichst lange dieses Fach in der Schule zu belegen. Manch einer erkennt in der Kombination Freude am Latein möglicherweise ein Oxymoron, wie L. es formuliert (347). Als Praktiker und Realist weiß L. natürlich, dass es häufig Klagen über ein zu geringes Stundendeputat für Latein gibt, dass Lehrkräfte bisweilen die administrativen Vorgaben für überzogen und insgesamt einen Großteil der Schülerschaft nicht für das Gymnasium geeignet halten (347); er rät aber den Lehrenden, „in der konkreten täglichen Praxis darauf fokussiert“ zu sein, „an den“ ihnen „möglichen wirksamen Stellschrauben zu drehen – mit dem Ziel unterrichtlichen Erfolgs und daraus erwachsender Zufriedenheit bei sich und den SuS“ (347). In den folgenden Abschnitten unterbreitet L. Vorschläge, die dazu führen können, die Freude am Latein zu steigern, zum Beispiel planvoll »Highligths« zu inszenieren (349), der Grammatik den ihr gebührenden Rang einzuräumen, aber sie nicht überzubewerten, mögliche Schwierigkeiten, die sich bei der Lektüre einstellen können, vorherzusehen und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen usw. (349-355). Hier wie auch bei den anderen Beiträgen empfiehlt der Rezensent eine intensive Lektüre des Beitrags. Das in einem erfolgreichen Lateinunterricht dem Sachwissen der entsprechende Rahmen gewährt werden sollte und wie dies umgesetzt werden kann erörtert L. in der zweiten Abhandlung (Sachwissen im gymnasialen Lateinunterricht, 357-366). Einen Satz möchte ich zitieren, weil er vielsagend ist und zeigt, welche Bedeutung L. einem gut geplanten Unterricht einräumt und wie er sich die Konzeption von Lateinunterricht überhaupt vorstellt: „Lateinunterricht am Gymnasium bedeutet in erster Linie Sprachunterricht“ (365). Dem Thema: Handlungsfeld Lektüreunterricht (367-373) widmet L. den fünften Beitrag, wobei er am Ende auch einen Kanon möglicher Texte anspricht. Einen Autor der Spätantike hält L. in der Mittelstufe für besonders geeignet: Eutrop. Daher beschäftigt er sich in einem speziellen Aufsatz mit diesem Autor und erläutert, warum er für die Lektüre des Breviarium Historiae Romanae plädiert (Eutrop – ein idealer Autor für die erste Lektüre, 381-390). Ich möchte den Hinweis nicht unterlassen, dass L. ein Lektüreheft für diesen Text konzipiert hat (Ders., Highlights der römischen Geschichte. Lektüretraining mit Eutrops Breviarium Historiae Romanae. Bamberg 2012). L. bietet erhellende Bemerkungen zu einem Begriff, der lange Zeit als Indiz für einen rückständigen Unterricht galt: Frontalunterricht (Frontalunterricht – Zur Klärung eines Begriffs, 375-379). Auch wenn der Beitrag relativ kurz ist, enthält er zahlreiche bedenkenswerte Aspekte und trägt zur Versachlichung bei der Diskussion um den Begriff bei. Im letzten Aufsatz der siebten Station (Der stumme Redner Rufus. Ein Epigrammzyklus des Ausonius als Bereicherung der Martiallektüre, 391-400) entführt L. die Leserinnen und Leser in die Spätantike, und zwar zum „ersten Franzosen der Weltliteratur“ – wie Michael von Albrecht Decimus Magnus Ausonius bezeichnet hat (M. von Albrecht, Geschichte der römischen Literatur. München 1994, Bd. 2, 1047).
Die letzten vier Beiträge hat L. unter die achte Station subsumiert: Bunte Vielfalt (403-436). In einem Aufsatz steht das Thema: Liebe im Vordergrund (Ein Dialog über Liebe zwischen Martial, Catull und Horaz, 403-410), während im zweiten Beitrag Textabschnitte einiger bedeutender Neulateiner vorgestellt und interpretiert werden; es handelt sich um Autoren wie Giovanni Pascoli, Josef Eberle, Michael von Albrecht und Harry C. Schnur, die Texte auf die Stadt Rom gedichtet haben (Sic me non servavit Apollo. Ein ungewöhnliches Romgedicht, 411-418). Vielen Menschen gilt ungebetener Besuch nicht immer als willkommene Abwechslung, dies war in der Antike nicht anders, wie uns L. an einigen Textbeispielen exemplarisch zeigen möchte (Importuni ianuae pulsatore – Ungebetener Besuch bei römischen Dichtern, 419-423). Der vierte Beitrag bildet den Schlussakkord in dieser Station: Von Seifen- und Spekulationsblasen – Skizze einer >unplatzbaren< Metapher (425-436). L. präsentiert eingangs eine Kleine Phänomenologie der Blase (425-426), um dann den klassischen Textabschnitt (Varro, res rust. I. 1) des römischen Gelehrten Marcus Terentius Varro aus Reate (116-27 v. Chr.) als Ausgangspunkt für seine Gedanken zum gewählten Thema zu präsentieren. Dazu werden weitere Textstellen von Petron (Satyricon), Erasmus von Rotterdam (Adagia), Friedrich Taubmann (Melodaesia sive Epulum Museaum) und Hermann Weller (Disceptio amantium) präsentiert (Lateinisch/Deutsch) und interpretiert. Den Schluss des Beitrags bildet ein Blick auf Blasen in der aktuellen Zeit.
Abschließend kann festgehalten werden, dass Michael Lobe mit diesem Buch die reichen Früchte seiner bisherigen Arbeit zu einem bunten Strauß verbunden hat. Er bedient sich dabei eines flüssigen und gut lesbaren Stils, bietet seine Gedanken in knappen Beiträgen, die selten mehr als zehn Seiten umfassen und schafft Gelegenheiten, über viele Punkte nachzudenken. In einigen Beiträgen bietet L. auch politische Aspekte, nicht nur in Bezug auf Gedanken zum Zeitalter des Augustus, sondern auch wenn es um Fragen der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg, der Weimarer Republik und des Nationalsozialismus bzw. des NS-Regimes geht. Der Rezensent empfiehlt das Opus nicht nur den Fachkolleginnen und Fachkollegen, sondern auch Studentinnen und Studenten der Klassischen Philologie und Referendarinnen und Referendaren mit dem Fach Latein. Besonders die letzten beiden genannten Zielgruppen werden mit vielen wichtigen Autoren, Motiven und Themen der lateinischen Literatur vertraut gemacht, sie lernen systematisch, wie man Texte interpretieren und unter didaktischen Gesichtspunkten Textstellen miteinander verknüpfen kann. Außerdem können sie erkennen, dass die lateinische Literatur nicht auf die augusteische und frühkaiserliche Zeit beschränkt ist, sondern es auch lohnenswerte Textpassagen aus der Spätantike und der Neuzeit – bis in unsere eigene Zeit ausgreifend – gibt, die den Vergleich mit den klassischen Autoren und Dichtern nicht zu scheuen brauchen.
Rezensent: Dietmar Schmitz

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