Deutscher Altphilologenverband

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Deutscher Altphilologenverband

Zukunft braucht Herkunft

Der Deutsche Altphilologenverband (DAV) stellt sich vor

Wer sind wir?

Wir sind der Fachverband für Latein und Griechisch an Schulen und Universitäten.
Wir sind ein eingetragener, als gemeinnützig anerkannter Verein.

Der DAV ist Mitglied der Fédération Internationale des Études Classiques (FIEC) und des Europäischen Verbundes der Altphilologenverbände EUROCLASSICA.

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Antike exempla et errores für uns heute – das Demokratie-Thema prägte den Bundeskongress des Deutschen Altphilologenverbandes in Frankfurt

Rund 500 Lehrkräfte der Fächer Latein und Griechisch aus allen Bundesländern haben beim DAV-Bundeskongress zur Frage der Bedeutung von Latein- und Griechisch-Unterricht  für die politische Bildung gearbeitet. Vom 7. bis 11. April 2026 ging es an der Frankfurter Goethe-Universität um den Leitgedanken „Aus der Antike lernen für die Demokratie von heute und morgen – exempla et errores“.

Die Hessische Landesregierung will gemäß Koalitionsvertrag „Schulen besonders fördern, die sich der europäischen Mehrsprachigkeit – einschließlich der alten europäischen Kultursprachen Latein und Griechisch – widmen“. Darauf wies Katja Sommer als DAV-Bundesvorsitzende hin und verwies auch auf das Konzept zur Begabtenförderung in Mecklenburg-Vorpommern, wo das Fach Altgriechisch an Schwerpunktschulen besonders gefördert wird. Mit  dem Humanismuspreis des DAV wurde  die „berühmteste Althistorikerin der Welt“ (so die FAZ 2025), die britische Altertumswissenschaftlerin und Publizistin Mary Beard, geehrt. Mit drei Ad-Astra-Preisen des DAV wurden junge Lehrkräfte prämiert für besondere Unterrichtskonzepte der Einbeziehung von griechischer Musik, von modernen Graffiti  und von KI. Die öffentliche Podiumsdiskussion zum Kongress-Thema zeigte, dass wir die antiken Denkkonzepte und Erfahrungen modellhaft zum Vergleich nutzen können, um in gegenwärtigen Krisen gute Entscheidungen treffen zu können.

Die Antike als Reflexionsraum für politische und gesellschaftliche Fragen unserer Gegenwart war Thema in rund 75 Fachvorträgen und Arbeitskreisen des Kongresses. Der griechische Historiker Herodot beschreibt, wie Griechen und Perser u.a. bei der Schlacht von Marathon zu überlegten Entscheidungen kamen. Der Dichter Homer erzählt in seinem Epos über den Trojanischen Krieg von Zorn und humanem Mitgefühl, wenn er den Griechen Achilleus charakterisiert, und warnt mit sezierenden Schlachtbeschreibungen vor Krieg und dessen traumatisierenden Folgen. Neuere Forschungen in Archäologie und Alte Geschichte zeigen etwa am Beispiel der vielfachen Facetten weiblicher Partizipation in der Antike, wie sehr weit verbreitete heutige Vorstellungen revidiert werden müssen. Bei der Darstellung der römischen Kaiser in den Biographien des römischen Autors Sueton sehen wir, wie politisch auch scheinbar nur Privates gedeutet wird.

Die epochalen Auswirkungen von generativen Schreibprogrammen, also „künstlicher Intelligenz“, auf unsere Gesellschaft prägten viele Diskussionen des DAV-Kongresses. Wird durch die KI der Status des Menschen als Mensch in Frage gestellt? Wie kann das Dilemma von Arbeitserleichterung versus Deskilling gelöst werden? Werden wir uns künstlichen Algorithmen ergeben oder unsere besonderen Merkmale als Menschen, selbstständiges Denken und Empathie, bewahren? Befinden wir uns in einer Krise des Humanen? Der Leitgedanke des Humanismus reagierte mit Erasmus von Rotterdam, Wilhelm von Humboldt und dem sogenannten dritten Humanismus während der Weimarer Republik (Werner Jaeger) auf gesellschaftliche Krisen. Mittels des Logos, dem griechischen Begriff für menschliche Vernunft und Sprache, ging es den Humanisten immer darum, das Denken als besondere Fähigkeit des Menschen möglichst umfassend auszubilden. Somit ergibt sich gemäß dem Satz des Schulpädagogen Klaus Zierer das Paradoxon: „Die Stärke der digitalen Welt steht auf den Schultern der analogen Welt.“

Latein und Griechisch profitieren in Wissenschaft und Unterricht, so in der Papyrologie, erheblich von KI. Den Gefahren von KI kann der in erster Linie analoge altsprachliche Unterricht wirkungsvoll begegnen. Somit dürften diese Schulfächer, die für Sprachbildung und selbstständig kritisches Denken stehen, in Zukunft für unsere Demokratie weiter an Wichtigkeit gewinnen.

Rede der Vorsitzenden zur Eröffnung des Bundeskongresses in Frankfurt am Main, 7. April 2026

Worin liegt die wichtigste Demokratie-bildende Leistung des altsprachlichen Unterrichts für unsere Gesellschaft?

Das, meine Damen und Herren, und ich freue mich sehr, dass Sie heute so zahlreich den Weg hierher gefunden haben, das ist die Leitfrage unseres Kongresses - und es ist auch eine der zentralen Leitfragen unserer programmatischen Arbeit als Fachverband für Griechisch und Latein an Schulen und Universitäten.

Sehr geehrte Frau Vizepräsidentin Pirker, vielen Dank, dass Sie als Hausherrin uns hier persönlich begrüßen und bereits im Kongressbegleiter in Ihrem Grußwort betont haben, dass „die Alten Sprachen – Latein und Griechisch – […] immer noch ein wichtiger Schlüssel zu Grundtexten und Grundbedingungen  der europäischen Kultur und Wissenschaft <sind> und erst die Kenntnis dieser Sprachen […] den fundierten wissenschaftlichen Umgang mit unserer Welt“ ermöglicht.

Als ehemalige Schülerin des Uhland-Gymnasiums in Tübingen und Theologin wissen Sie natürlich um den Wert.

Wir freuen uns außerordentlich, dass die Universität Frankfurt sich so sehr dafür einsetzt, dass die Grundlagen dessen, wo unsere Begriffe von Demokratie, Politik, Wettbewerb als agonalem Prinzip, Concordia, Harmonia, consensus omnium als Ziel zur Überwindung von Spaltungen in unserer Gesellschaft und nicht zuletzt das Nachdenken über Tugenden, die den Einzelnen befähigen, die Verwirklichung seines bestmöglichen Ichs anzustreben, um schließlich wahre Eudaimonia zu erreichen, dass also die Universität Frankfurt sich dafür einsetzt, dass die Antike auf der Basis der Arbeit mit den Originalen auch weiterhin ihre Orientierungsfunktion in unserer Gesellschaft und – hier lokal - den vielen humanistischen Gymnasien in Stadt und Umland Frankfurts entfalten kann! Und – so unser Wunsch: Möge das dementsprechend auch bei der Frage des Erhaltes der dafür notwendigen Professuren seinen Ausdruck finden!

Sehr geehrter Herr Staatssekretär Dr. Lösel, ganz besonders freuen wir uns, durch Sie die Wertschätzung der Landesregierung überbracht zu erhalten! Bitte übermitteln Sie unserem Schirmherrn, dem Ministerpräsidenten Boris Rhein, unseren ganz herzlichen Dank für sein Grußwort für den Kongressbegleiter, das von echter Liebe zu den Alten Sprachen und der humanistischen Bildung Zeugnis ablegt, der ja selbst an einem unserer Tagungsorte, dem Lessing-Gymnasium, zur Schule gegangen ist, und der durch die explizite Nennung der Förderung des Latein- und Griechisch-Unterrichtes im Koalitionsvertrag (Passage auf der Folie) als politischem Ziel der Landesregierung deutlich gemacht hat, dass es sich dabei für ihn nicht nur um eine schöne Floskel für Festtagsreden und Grußworte, sondern um ein Grundprinzip der hessischen Politik handelt!

Im Herzen von Europa wollen wir Schulen ermutigen und besonders fördern, die sich der europäischen Mehrsprachigkeit – einschließlich der alten europäischen Kultursprachen Latein und Griechisch – widmen. Wir wollen weiterführenden Schulen mit diesem Profil besondere Möglichkeiten zur Erweiterung der Stundentafel, zum Ausbau eines entsprechenden Fächerangebots und zur Beschulung interessierter Kinder auch jenseits des Schulträgerbezirks bieten. (Koalitionsvertrag zwischen CDU und SPD für die 21. Legislaturperiode 2024-2029, S.14)

Und als Bundesverband freut es uns außerordentlich, dass eine so enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen der Landesregierung und dem Hessischen Altphilologenverband besteht, dessen Vorsitzende, Frau Dr. Marion Clausen vom Philippinum in Marburg, ich an dieser Stelle ganz herzlich begrüßen möchte!

Und wir würden uns sehr freuen, wenn Sie, lieber Herr Staatssekretär Dr. Lösel, unserem Schirmherrn unseren großen Dank zurückmeldeten, dass er in diesem Sinne auch auf seinen Wissenschaftsminister einwirkt, um die entsprechende Ausstattung der Goethe-Universität mit einer Professur für Griechisch und einer für Latein als Mindestbestand zu erhalten!

Sehr geehrte Frau Bürgermeisterin Dr. Eskandari-Grünberg,

wir freuen uns sehr, dass Sie uns die Wertschätzung der Stadt Frankfurt am Main überbringen, einer Stadt, die ihren Stolz auf ihre Anfänge als römische Stadt (Nida) mit vielen Museen und Grabungsprojekten engagiert pflegt und mit dem Liebieghaus, um nur ein Beispiel zu nennen, über ein ganz außerordentliches exemplum stadtbürgerschaftlichen Kulturmäzenatentums mit dem Schwerpunkt auf der antiken Skulptur und ihrer Rezeption verfügt!

Sie selbst stammen ja aus einer Weltregion, deren Kultur viel älter ist als die der Stadt Frankfurt – und in der Herodot die erste schriftlich dargestellte Verfassungsdebatte der Weltgeschichte verortet! (Wir haben hier jetzt keine Zeit, das Für und Wider der Historizitätsfrage zu erörtern – und es gibt mehrere Vorträge und Arbeitskreise, die diesen locus classicus in unterschiedlicher Weise beleuchten -, es sei hier nur angemerkt, dass die Erörterung dieser Frage: „Ist diese Verfassungsdebatte historisch denkbar oder nicht?“ ein großartiges Beispiel demokratiebildenden altsprachlichen Unterrichts ist.)

Und ganz besonders freue ich mich, die Vertreter unserer befreundeten Verbände begrüßen zu dürfen, für die Mommsen-Gesellschaft Herrn Prof. Hammerstaedt, und für die Euroclassica Herrn Prof. Christian Laes!

Und als absoluten Höhepunkt – the unsurpassable highlight – und deshalb sind Sie ja alle heute hier – I am inexpressibly happy about this momentum felicissimum that I may have the pleasure (and the honour!) to greet here in Frankfurt, you, dear Mary, and also your laudator, you, dear Llewelyn, Classics Professor emerita of Cambridge and Classics Professor of Oxford!

Mary Beard

Und bevor ich gleich das Wort an den Vorsitzenden des Ortskomitees übergebe, Herrn Prof. Bernsdorff, ohne dessen riesiges Engagement dieser Kongress nicht hätte stattfinden können – Dank dafür! –, erlauben Sie mir, noch einen politischen Punkt und zwei inhaltliche als Ansatz zur Beantwortung der Leitfrage:

Zum Politischen: Der DAV ist auch selbst politischer Akteur. Und unser politisches Gewicht steigt mit der Zahl unserer Mitglieder… Daher: Werden Sie Mitglied, falls Sie es noch nicht sind! Und werben Sie Ihre Kolleginnen und Kollegen!

Österreich hat uns vorgemacht, wie man einen bildungspolitischen Konflikt mit den Mächtigen gewinnen kann: - Peter Glatz, der Vorsitzende des österreichischen Altphilologenverbandes wird hier einen Arbeitskreis dazu halten! - Öffentlichkeitswirksamer Rücktritt der Lehrplankommission – schon ist man in den landesweiten Nachrichten, Petition mit Unterschriften von Nobelpreisträgern und anderen Geistesgrößen völlig anderer Fächer, welche die allgemeinbildende Wirkung unserer altsprachlichen Fächer zeigen, unermüdliche Öffentlichkeitsarbeit – bis hin zum Sieg erst in der Sache und dann auch über das Narrativ der Politik: Hatte zuerst der Minister es noch geschafft, den Eindruck zu vermitteln, dass er sich doch mit irgendeinem Aspekt durchgesetzt habe, - und sah es zunächst so aus, als werde ihm dieser face-saving Exit gestattet, so hat es jetzt der Verband sogar geschafft, dieses Narrativ zu drehen: „Latein ist gerettet!“ „Die Stundentafel kann so bleiben, wie sie ist!“ Das sind jetzt die Schlagzeilen in Presse und Fernsehen!

In Niedersachsen, wo das Kultusministerium derzeit plant, den Rechtsanspruch auf die Belegungsmöglichkeit anderer FS als Englisch in der Oberstufe zu beseitigen – und damit aufgrund der fehlenden Stunden an den Schulen de facto deren Abschaffung -, ist es durch entsprechende Öffentlichkeitsarbeit immerhin gelungen, dass die Opposition einen Entschließungsantrag zum Stoppen dieser Reform mit Verweis auf die Fremdsprachenproblematik in den Landtag eingebracht hat, so dass es damit auch dort eine umfangreichere Berichterstattung gab, aber dort ist die Kuh noch nicht vom Eis....

Nun noch zu den zwei inhaltlichen Punkten:

Was also sind unsere programmatischen Anliegen als Fachverband für Griechisch und Latein hinsichtlich der Demokratie-Bildung?

Auf der einen Seite verstehen wir unsere Sprachbildungsleistung in den altsprachlichen Fächern als _wie man heute sagt - Empowerment für unsere Schülerinnen und Schüler, indem wir sie durch das Proprium unserer Fächer, nämlich mittels der Anleitung zum präzisen Übersetzen, sprachlich in den Stand versetzen, über diejenige Sprachkompetenz zu verfügen, die für eine gleichberechtigte Teilhabe nicht nur an geistesgeschichtlichen Diskursen, (wie wir sie im Feuilleton unserer großen Zeitungen finden), sondern an allen Bereichen des beruflichen, gesellschaftlichen und politischen Lebens unabdingbare Voraussetzung ist.

Und lassen Sie mich in puncto des EPA- und Leistungsmessungsdiskurses hier nur kurz anmerken: Es ist ein Missverständnis, zu glauben, bei der Übersetzungsaufgabe gehe es in erster Linie um Textverständniskompetenz. Textverständnis, Interpretation und Übersetzung sind selbstverständlich, niemand bestreitet das, aufs engste miteinander verbunden. Nur weil wir im Zweifelsfall bei der Gewichtung grammatischer oder syntaktischer Fehler die Entstellung des Textsinnes heranziehen, heißt das nicht, dass es bei der Übersetzungsaufgabe in erster Linie um den Nachweis von Textverständnis gehe. Vielmehr geht es hier um den Nachweis von Übersetzungskompetenz. Diese hat letztlich Sprachbildung zum Ziel.

Und dann gibt es noch ein beliebtes Sprachspiel der „Leistungsmessungswissenschaft“: Die Zuweisung von AFBs, sogenannten Anforderungsbereichen. Gibt es jemanden, der ernsthaft behaupten möchte, die Übersetzung des Satzes: „Senator ad curiam venit“ erfordere eine Urteilskompetenz des AFB III? Hier geht es doch um reine Reproduktion auswendig gelernter Vokabeln. Lassen Sie uns das mit der Aufgabe 1 im Fach Geschichte vergleichen: Das Erfassen der zentralen Aussage eines komplexen deutschsprachigen Textes, die Erarbeitung der Argumentationsstruktur und die angemessene schriftliche Wiedergabe dieses Erarbeitungsprozesses wird als AFB I klassifiziert. Wer versteht das?

Die Übersetzungskompetenz, die erforderlich ist, um einen einigermaßen komplexen lateinischen oder griechischen Text im Deutschen angemessen wiederzugeben scheint mir durchaus vergleichbar mit der historischen Einordnungskompetenz im Fach Geschichte, wenn ein historischer Quellentext in seine historischen Kontexte eingeordnet wird. Auch da ist einiges an Urteilskompetenz vonnöten, das Ganze wird dem AFB II zugeordnet.

Hierbei möchte ich es für heute belassen, nicht nur Euripides verfasste seine Texte mehr dazu, Irritationen zu wecken und Fragen offen zu lassen (freuen Sie sich auf das neue Forum Classicum, da erfahren Sie mehr dazu!), auch hier soll es erst einmal um Erschütterung von vermeintlichen Selbstverständlichkeiten gehen…

Soviel zum Bereich Sprachbildung.

Auf der anderen Seite beanspruchen wir eine Orientierungsfunktion durch die Beschäftigung mit den antiken Texten, gerade weil wir sie nicht als Idealbild anbeten – wie es manchmal als Vorwurf erhoben wird - und wie bei vielen Vorwürfen, werden auch hier eher Pappkameraden aufgestellt, die man dann mit Genuss umwerfen kann -, sondern weil wir uns gemeinsam mit unseren Schülerinnen und Schülern kritisch und hermeneutisch mit ihnen auseinandersetzen, ihre Positionen zu verstehen und einzuordnen suchen und gerade dadurch ein besseres Verständnis unserer eigenen Situationen erhalten, sei das in Geschlechterrollenzuschreibungen, sei es in Konfliktanalysen, in biographischen Vergleichen oder in Friedens- und Konfliktlösungsansätzen – und auch in kritischen Auseinandersetzungen mit der Staatsform Demokratie: Wer einerseits, wie Thukydides im Epitaphios, das hohe Lob seines demokratischen Gemeinwesens singt, darf und muss vielleicht sogar, andererseits auch Auswüchse der Demagogie benennen dürfen, ohne als Feind der Demokratie abgetan zu werden – was wäre heute aktueller?

Oder auch, ganz aktuell, in der Frage, wie wir angesichts sogenannter künstlicher Intelligenz das Humanum und den Humanismus neu bestimmen müssen. (Prof. Bernsdorff wird dazu einen Vortrag halten, auf den ich schon sehr gespannt bin!)

Allen diesen exempla ist gemeinsam, dass man die Orientierungsfunktion nur durch beipielhafte Beschäftigung mit den konkreten Texten gewinnt und zeigen kann – und genau das werden unsere großartigen Referentinnen und Referenten, die ich hier auch ganz herzlich begrüße, in den nächsten Tagen mit Ihnen gemeinsam tun!

Damit ist der Kongress eröffnet.

Und, last but not least, möchte ich unseren Dank gegenüber unseren Sponsoren gebührend zum Ausdruck bringen: Wir danken den Freunden und Förderern der Goethe-Universität und der Schleicher-Stiftung für die großzügige Unterstützung des Kongresses!

Und dem Ernst Klett Verlag, unserem Hauptsponsor, dafür, dass er uns den Empfang finanziert, zu dem Sie alle im Anschluss ganz herzlich eingeladen sind!

Rita Süssmuth, Trägerin des Humanismuspreises des DAV 2018, verstorben

Am 1. Februar 2026 ist Prof. Dr. Rita Süssmuth, ehemalige Bundesministerin und Bundestagspräsidentin verstorben. Im Jahr 2018 verlieh ihr der DAV den Humanismuspreis, der ihr im Rahmen des Saarbrücker Kongresses überreicht wurde.

In der damaligen Begründung hieß es: „Sie hat sich als Katholikin aus ihrem christlichen Glauben heraus nachdrücklich für die Rechte der Frauen und für die Familien in der Welt von heute eingesetzt. Als mit AIDS und HIV neue existentielle Gefährdungen entstanden waren, hat sie sich mutig gegen die Krankheit und für die Betroffenen engagiert und ist gegen jede Form von Ausgrenzung vorgegangen. Schon früh hat sie die Bedeutung von Zuwanderung und Migration erkannt und versucht, Antworten auf diese drängenden Herausforderungen zu finden. Darüber hinaus ist ihr auch die dauerhafte Aussöhnung mit Polen ein tiefes Anliegen.“

Dem ist auch im Abstand von acht Jahren nichts hinzuzufügen, allenfalls die Tatsache, dass auch die persönliche Begegnung vor, während und nach der Preisverleihung zu tiefst beeindruckt hat.

Der DAV ist stolz darauf, dass sie unter so zahlreichen Ehrungen auch unseren Preis angenommen hat, und wird ihr stets ein ehrendes Andenken bewahren.

Ulrich Schmitzer (2018 Mitglied im Geschäftsführenden Vorstand des DAV)

Bundeskongress 2026 in Frankfurt/Main

bundeskongress 2026 teaser 1

Der Bundeskongress 2026 wird wieder in der Woche nach Ostern stattfinden:

07.-11. April 2026. Veranstaltungsort ist Frankfurt/Main. Das Motto wird lauten:

„Aus der Antike lernen für die Demokratie von heute und morgen: exempla et errores“

Eine Anmeldung ist nur noch vor Ort in Frankfurt am Main im Kongressbüro möglich (Raum IG 454 im IG-Farbengebäude, Norbert-Wollheim-Platz 1, 60629 Frankfurt am Main).

Das Programm finden Sie » hier.

AD ASTRA – Innovationen für den Unterricht Nachwuchswettbewerb für Latein und Griechisch

ad astra 2025

Der Deutsche Altphilologenverband (DAV) und der Ernst Klett Verlag schreiben für das Jahr 2025/26 zum vierten Mal den Nachwuchswettbewerb für Latein und Griechisch aus. Dieser Wettbewerb AD ASTRA richtet sich an junge Lehrkräfte im Referendariat sowie in den ersten fünf Berufsjahren.

Eingereicht werden kann eine eigene und in der Praxis selbst erprobte Idee, die ein innovatives Element enthält: eine kluge, clevere und vielleicht auch mutige methodische oder didaktische Neuerung. Diese Idee sollte das Lernen der Schülerinnen und Schüler in den Mittelpunkt stellen, die Freude am Fach wecken und auf andere Lerngruppen übertragbar sein. Die Idee muss schlüssig, überzeugend und nachvollziehbar dargestellt werden.

Was ist einzureichen?

  • Deckblatt (Name und Anschrift der Schule / Thema / Jahrgangsstufe(n) / Postanschrift, Telefonnummer und
  • Mail-Adresse der Bewerberin / des Bewerbers),
  • Darstellung der Idee und ihrer Umsetzung unter Benennung des innovativen Elements, max. 3 Seiten DIN A4 (PDF),
  • Unterrichtsmaterialien (PDF, PPT, MPEG, MP3, MP4 etc.) als Anhang unter Angabe der verwendeten Quellen und
  • Literatur, insgesamt max. 15 MB,
  • Bestätigung des Bewerbers / der Bewerberin, dass es sich um eine eigene und selbst erprobte Idee handelt,
  • Kurzvita (im Schuldienst seit …).

Teilnahmebedingungen:

Lehrkräfte im Referendariat können prüfungsrelevante Lerneinheiten aus ihren schriftlichen Arbeiten und Lehrproben vor dem Abschluss der Ausbildung weder in Teilen noch als Ganzes einreichen. Eine Jury aus Fachleuten des DAV und des Ernst Klett Verlages trifft eine Auswahl aus den Einsendungen und befindet über die Zuerkennung der Preise. Das Preisgeld wird vom Ernst Klett Verlag gestiftet. Für Platz eins werden 750 €, für Platz zwei 500 € und für Platz drei 250 € ausgelobt.

Die Verleihung der Preise findet im Rahmen des DAV-Kongresses in Frankfurt/Main im Frühjahr 2026 statt. Im Falle der Platzierung werden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zum Kongress ein­ geladen, um ihre Idee vorzustellen. Ferner wird die Veröffentlichung der prämierten Ideen angestrebt.

Der Beitrag ist einzureichen per E-Mail an:

Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Einsendeschluss ist der 31.10.2025. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

+++ Herzlichen Dank an alle Lehrerinnen und Lehrer, die beim diesjährigen Wettbewerb AD ASTRA Arbeiten eingereicht haben.

Leider gab es bei der Übermittlung temporär technische Schwierigkeiten. Daher könnte es sein, dass nicht alle eingereichten Arbeiten bei uns angekommen sind.

Wir möchten alle, die keine Eingangsbestätigung von mir erhalten haben, bitten, Ihren Beitrag zeitnah noch einmal mit Angabe des ursprünglichen Einsendedatums an die Adresse Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! zu senden.

Vielen Dank.

Für die Jury: Hartmut Loos +++

Tag der Offenen Tür des Bundesbildungsministeriums

IMG 20250824 135410999Beim Tag der Offenen Tür des Bundesbildungsministeriums am 26.8.2025bezeichnete unsere neue Bundesbildungsminsterin Karin Prien sich als ein großer Fan von Latein - nicht nur habe es ihr persönlich viel gebracht, auch ihre Kinder habe sie ganz bewusst auf ein humanistisches Gymnasium geschickt! Und das habe nicht nur mit Sprachbildung zu tun.

Grußwort der Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Karin Prien anlässlich des 100-jährigen Bestehens des Deutschen Altphilologenverbands

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freundinnen und Mitglieder des Deutschen Altphilologenverbands,

meinen herzlichen Glückwunsch zu diesem besonderen Jubiläum! Seit nunmehr 100 Jahren setzen Sie sich leidenschaftlich und kompetent für die Vermittlung und Pflege der alten Sprachen Latein und Griechisch ein – Sprachen, die weit mehr sind als Relikte der Vergangenheit.

Auch heute noch bilden sie das Fundament in vielen Berufen– etwa in der Medizin, der Rechtswissenschaft, der Theologie oder der Archäologie. Gleichzeitig öffnen sie uns das Tor zu einer Welt, in der zentrale Fragen unseres Menschseins erstmals systematisch gestellt und beantwortet wurden. Die Gedanken eines Sokrates zur Ethik, die Rhetorik einer Aspasia oder die philosophische Gelassenheit eines Senecas sind zeitlos und wirken bis heute in unser demokratisches Selbstverständnis hinein. Sie fordern uns auf, kritisch zu denken, Argumente abzuwägen und Verantwortung zu übernehmen – Fähigkeiten, die in einer komplexen, globalisierten Welt für unsere Gesellschaft unverzichtbar sind. Um aus der Vergangenheit zu lernen, müssen wir sie begreifen. Dafür brauchen wir das Verständnis alter Sprachen und müssen dieses bewahren und weiterentwickeln.

Besonders erfreut bin ich über aktuelle wissenschaftlichen Erkenntnisse, dass diese Sprachen nicht nur kulturelle Bildung vermitteln, sondern auch Brücken für Kinder aus sozial benachteiligten Familien bauen können. Hier verbinden sich Bildungs­gerechtigkeit und kulturelles Erbe auf vorbildliche Weise.

Nicht zuletzt möchte ich diese Gelegenheit nutzen, dem Deutschen Altphilologen­verband für die Unterstützung des Bundeswettbewerbs Fremdsprachen und die hiermit verbundene Stärkung der Vielfältigkeit unseres Bildungssystems zu danken. Möge der Verband auch in den kommenden Jahrzehnten mit gleicher Kraft und Überzeugung wirken – als Hüter eines einmaligen Schatzes und als Gestalter einer Bildung, die Herkunft, Sprache und Kultur miteinander verbindet.

Herzlichen Glückwunsch zu Ihrem 100-jährigen Bestehen!

Mit freundlichen Grüßen

Karin Prien
Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend

karin prien data

Jubiläumsprogramm: 100 Jahre Deutscher Altphilologenverband

Liebe Mitglieder des Deutschen Altphilologenverbandes!

Der Festakt zum hundertjährigen Bestehen des Deutschen Altphilologenverbandes am 19. und 20. September 2025 in Berlin rückt heran, und wir freuen uns auf ein baldiges Wiedersehen mit vielen von Ihnen und Euch!

Im » Anhang finden Sie das offizielle Programm der Feierlichkeiten; wie daraus zu ersehen ist, bitten wir aus Gründen der Kapazitätsplanung nun doch um eine Anmeldung für drei Veranstaltungselemente.

Bitte schicken Sie bis zum 12. September 2025 eine E-Mail an

Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!,

wenn Sie an der 

  • Abendveranstaltung am Freitag, dem 19.09.2025,
  • der Vormittagsveranstaltung am Samstag, dem 20.9.2025
  • und / oder der Führung im Alten Museum am Nachmittag des 20.9.2025 

teilnehmen möchten. 

Wir wünschen weiterhin (oder demnächst) erholsame Ferien - bis bald!

Ihr/Euer DAV-Bundesvorstand

Katja Sommer, Stefan Freund, Stefan Faller.

» Programm: 100 Jahre Deutscher Altphilologenverbandrogramm: 100 Jahre Deutscher Altphilologenverband

  1. Petition: Erhalt der Alten Sprachen am Görres-Gymnasium Koblenz
  2. Deutscher Lehrkräftepreis an Michael Stierstorfer
  3. Bundeswettbewerb Fremdsprachen 2025: DAV-Sonderpreis
  4. Zum Download: Flyer "Latein für alle - Omnibus"

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Der nächste DAV-Bundeskongress findet vom 18. bis 22. April 2028 in Salzburg statt.

Der neue "Omnibus"-Flyer

Omnibus Flyer 2025 Seite 1Omnibus Flyer 2025 Seite 2

» Informationen zum Bezug des Flyers

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Neuerscheinung des Monats

Rez.: Lobe, Michael, Laetae Latebrae Litterarum. Gesammelte Streifzüge durch die lateinische Literatur. Rombach Verlag: Baden-Baden 2025. EUR 109,- (ISBN 978-3-98858-149-5).

Michael Lobe gehört aktuell zu den profiliertesten Klassischen Philologen und Fachdidaktikern im deutschsprachigen Raum. Dies zeigen seine zahlreichen Aufsätze, Schullektüren, die er auch als Herausgeber mehrerer Reihen vor allem im Buchner Verlag betreut, und seine Vorträge. Außerdem ist er an der Publikation mehrerer Lehrwerke beteiligt. Mit dem zu besprechenden Band liefert er eine Sammlung von Aufsätzen, die an verschiedenen Orten publiziert wurden und nun als „Streifzüge durch die lateinische Literatur“ – so der Untertitel des Buches - vereinigt sind. Der gewählte Titel mit der Alliteration zeigt bereits Michael Lobes Fähigkeit und Neigung, sich einer präzisen Sprache zu bedienen, die rhetorisch ausgereift und manchmal auch blumig geprägt ist. Man erkennt in vielen Beiträgen nicht nur den Klassischen Philologen, sondern auch den Germanisten, einerseits am Sprachduktus, andererseits daran, dass er in verschiedenen Beiträgen römische und deutsche Klassiker vergleicht.

Im Vorwort (7) erläutert Bernhard Zimmermann, emeritierter Gräzist der Universität Freiburg/Br. und Herausgeber der Reihe Paradeigmata, die Zielsetzung dieser Reihe und stellt mit knappen Worten die Aufsatzsammlung von Michael Lobe vor. Er erinnert in diesem Zusammenhang daran, dass die von Manfred Fuhrmann „konstatierte Krise des Lateinunterrichts an Schulen und Universitäten vor 50 Jahren“ (7) inzwischen überwunden ist, weil sich die Didaktik der Alten Sprachen seitdem in bemerkenswerter Art und Weise entwickelt hat, „die sich im Kanon der schulischen Fächer sehen lassen kann“ (7).

Liest man die Titel der 33 Beiträge, so kristallisieren sich einige Schwerpunkte heraus: als erster ist die Literatur der augusteischen Epoche zu nennen, wobei Ovid eindeutig im Zentrum der Aufsätze steht. Dabei übernimmt Michael Lobe (L.) nicht einfach bisherige Thesen, sondern stellt sie teilweise in Frage, erkenntlich an dem Fragezeichen der ersten Station: Ein goldenes Zeitalter? (15-87). Der Verfasser attestiert Livius und Ovid, mit künstlerischen Mitteln die Ideologie des Prinzipats zu entlarven und als Aufklärer tätig zu sein. Im zweiten Aufsatz der ersten Station gelingt dem Autor der Nachweis, dass Augustus erfolgreich bemüht war, den Glanz der Helden der Vorzeit auf seine Person und seine Familie zu übertragen, und machte dies durch die Identifikation mit Apollo deutlich; der Nachfolger Caesars wählte bewusst die Parallelisierung mit Apollo, Jupiter und Merkur, um seine Herrschaft zu legitimieren (Neptunische Konnotationen der Augustusgestalt am Beispiel von Vergils Aeneis und der Panzerstatue von Prima Porta, 31-40). Hier wie auch in anderen Beiträgen wählt L. passende lateinische Textstellen aus und interpretiert sie nachvollziehbar unter der jeweiligen Fragestellung. Meist, nicht immer werden diese Abschnitte auch in deutscher Übersetzung angeboten. Am Ende der Beiträge wird jeweils der erste Publikationsort angeführt. Eine oft behandelte Frage greift auch L. auf, nämlich die, warum der Dichter Ovid nach Tomis verbannt wurde (Das Geheimnis von Ovids Verbannung, 41-56). Zunächst geht er auf Ovids eigene Aussagen ein, stellt dann einige Theorien vor, die bisher präsentiert wurden, und liefert auch Überlegungen über die Wahl des Exilortes. L. vermutet „eine perfide implizierte Botschaft an Ovid“, die Augustus gesendet habe (56). „Etwa in diesem Sinne: Wenn du es wagst, ein dramatisches Sujet zu wählen, das Parallelen zur Kaisergattin zumindest denkbar erscheinen lässt, dann soll dir nun die Gelegenheit gegeben werden, über die echte Medea dort zu recherchieren, wo sie ihr Unwesen betrieben hat“ (56). Auch im folgenden Beitrag (Liebesdichter oder Zeitenrichter? Der Ovid der Amores, 57-74) verbirgt sich die Suche nach dem wahren Grund für die Verbannung des Dichters nach Tomi. L. hat einige Zitate aus dem Erstlingswerk Ovids ausgewählt, die belegen sollen, „wie respektlos und spöttisch Ovid mit augusteischen Idealen und Ideologemen umgesprungen ist“ (57). Wenn der Dichter der Amores mit typischen Werten des Augustus, nämlich pudor und fides spielt, dekonstruiert er in provokativer Art und Weise solche Werte und letztlich sogar die Sitten- und Ehegesetzgebung des Prinzeps (58). Zum Schluss des Beitrags stellt L. die Frage an die Leserinnen und Leser, ob Ovid als tenerorum lusor amorum der „charmante, witzige, ironisch tändelnde Spielmann zarter Liebeserfahrungen“ oder doch als temporum illusor ein Dichter war, „der durch eigene negative Erfahrungen angekränkelte Spötter über die Widersprüche und Risse des Saeculum Augustum“ war, „der eben dadurch prädestiniert war, später in den Zirkel der binnenoppositionellen julischen Fraktion des Kaiserhauses zu gelangen, um mit ihm in den Abgrund gerissen zu werden?“ (74). Möglicherweise gibt es nicht nur einen einzigen Grund für die Verbannung, sondern ein „Konglomerat“ von Gründen, die Augustus veranlasst haben, den Dichter Ovid an das damalige Ende der Welt zu relegieren. Der Titel der zweiten Station (Die Macht der Bilder, 91-108) erinnert an ein berühmtes Buch von Paul Zanker (Augustus und die Macht der Bilder, München 11987). Im ersten Beitrag dieser Station stellt L. die beiden Gemälde des Timomachus vor, die Caesar auf dem Forum Iulium hat aufhängen lassen (Cäsar und die Macht der Bilder, 91-99), im Fokus des zweiten Beitrags steht die Ode IV des Dichters Horaz (Horazens letzte Ode und die Macht der Bilder, 101-108). L. sieht in diesem Fall keine Auftragsarbeit des Herrschers, ebenso gilt dies seiner Meinung nach auch für andere Kunstgattungen und deren Vertreter (101). „Das oft frappierende Zusammenspiel augusteischer Kunstgattungen darf man sich dabei (…) eher als Resultat der Ideengemeinschaft eines Intellektuellenzirkels um den Princeps vorstellen“ (101). Daher ist es auch verständlich, dass Horaz die entscheidenden Ideen in seiner Ode verarbeiten konnte, weil er sie kannte, bevor die Ara Pacis bzw. das Augustusforum vollendet waren (101).

Ein zweiter Schwerpunkt des Buches ist der Vergleich zwischen dem römischen Imperium und den neuen Imperien, insbesondere dem Imperium der USA. L. ist es natürlich bewusst, dass ein Vergleich zwischen den USA und dem römischen Reich problematisch ist, aber man kann eine lange Tradition erkennen. Viele Bundesstaaten verwenden lateinische Motti, die an die republikanischen Ideale wie Freiheit und Siedlerfleiß (111) erinnern. Im ersten Beitrag (USA und ROM. Über Macht und Ohnmacht zweier Großmächte, 111-146) der dritten Station (Alte und neue Imperien, 109-165) geht L. auf Parallelen zwischen den beiden Mächten ein (also etwa Arm-Reich-Gefälle, militärische Übermacht, Propaganda der Unbezwingbarkeit usw.), um dann inneramerikanische Positionen zum Thema zu beleuchten (123-133), die ich hier natürlich nicht vorstellen kann, und danach außeramerikanische Positionen zu präsentieren und zu kommentieren (133-144). Obwohl der Aufsatz von 2010 datiert, ist er immer noch hochaktuell. Auch die beiden folgenden Beiträge befassen sich mit dem Vergleich der beiden Imperien; dabei steht der Aeneasmythos im Vordergrund (Amerikanischer und europäischer Äneas – Von der Aktualität des vergilischen Äneas-Mythos, Teil I, 147-154; Äneas in Amerika – Von der Aktualität des vergilischen Äneas-Mythos, Teil II, 155-165). Auch wenn ein bekannter Latinist und Vergilexperte wie Werner Suerbaum bereits 1999 konstatierte, dass Vergil nach dem zweiten Weltkrieg in der deutschen Literatur nur wenig rezipiert wurde (147), liefert L. einige Beispiele von Autoren (148-154), die den Mythos des Aeneas durchaus aufgegriffen haben. L. beobachtet dabei, dass „ihnen die politische Funktionalisierung dieses Mythos für die je eigene Argumentation gemeinsam ist“ (148). Deutlich erkennbar ist Lobes Bestreben, Vergils Aktualität hervorzuheben und für eine intensivere Behandlung seiner Werke einzutreten. Dies ist durchaus verständlich, hat L. doch seine Dissertation diesem bedeutenden Dichter der augusteischen Zeit gewidmet (Die Gebärden in Vergils Aeneis. Zur Bedeutung und Funktion von Körpersprache im römischen Epos. Frankfurt/M. 1999).

Ein dritter Schwerpunkt des Buches liegt in der Präsentation und Interpretation neulateinischer Texte (Vierte Station: Neulateinische Glanzstücke, 169-288). Die Beschäftigung mit solchen Texten hat in den letzten Jahrzehnten deutlich zugenommen. Es gibt einige Überblickswerke, in denen die Entwicklung des Neulateins aufgezeigt wird. Neben älteren Opera wie die von J. IJsewijn (Companion to Neo-Latin Studies. Amsterdam, New York, Oxford 1977, Ders., Companion to Neo-Latin Studies. Part I. History and Diffusion of Neo-Latin Literature. Leuven/Louvain 1990), fortgeführt von J. IJsewijn/D. Sacré (Companion to Neo-Latin Studies. Part II. Literary, linguistic, philological and editorial questions. Second entirely rewritten edition. Leuven/Louvain 1998) sind jüngere Publikationen zu nennen wie von W. Stroh (Latein ist tot, es lebe Latein! Kleine Geschichte einer großen Sprache. Berlin 52008), J. Leonhardt (Latein. Geschichte einer Weltsprache. München 2009) und M. Korenjak (Geschichte der neulateinischen Literatur. Vom Humanismus bis zur Gegenwart. München 2016). Diese Überblickswerke sind natürlich wichtig, notwendig sind aber auch Studien zu einzelnen Autoren, wie L. sie vorgelegt hat. Er hat sich hauptsächlich drei Autoren gewidmet. Zunächst folgen Darlegungen zu Josef Eberle (»Meine Ferien im Latein gehören zu den schönsten, die ich je genossen habe.« Zum dreißigsten Todesjahr des schwäbischen Martial Josef Eberle (1901-1986), 169-191), (»Nur der Irrtum ist das Leben, und das Wissen ist der Tod…«. Josef Eberles Thrasyllus-Gedichte, 193-205) und (Kastalische Koryphäen. Ein Epigrammzyklus über römische Dichter in Josef Eberles Büchlein Cave Canem, 207-225). Im ersten Beitrag liefert L. Informationen über das Leben Josef Eberles (169-173). Danach präsentiert er einige Textabschnitte auf Latein und Deutsch, die er interpretiert und auch mit Gedichten deutscher Poeten wie Gottfried Benn, Erich Kästner oder Ernst Jandl - um nur einige Beispiele anzuführen – vergleicht. Sehr aufschlussreich ist auch die Deutung des Gedichtes Thrasyllus, das in zwei Fassungen existiert, eine datiert aus dem Jahr 1959, die zweites aus dem Jahr 1970 (194-203). L. erörtert mögliche Gründe für Eberles Neufassung dieses Gedichtes, die gut nachvollziehbar sind. Mit einem anderen Dichter, der lateinische Gedichte verfasst hat, hat sich L. ebenfalls intensiv beschäftigt: Hermann Weller (1878-1956), der wie J. Eberle aus Schwaben stammt (Lux verae humanitatis effulgeat. Zum sechzigsten Todesjahr des schwäbischen Horaz Hermann Weller, 227-241, und Von allen guten Geistern verlassen. Hermann Wellers Gedicht Europa (1923) und seine Aktualität (243-261). Dass ihm besondere Wertschätzung entgegengebracht wurde geht schon daraus hervor, dass er am sogenannten Certamen Hoeufftianum häufig teilgenommen und zwölfmal die Goldmedaille zugesprochen bekam (227). Hermann Weller war nicht nur Klassischer Philologe, sondern hatte auch Französisch und Hebräisch und vor allem Indologie studiert. Nach vielen Jahren im Schuldienst wurde er 1938 Privatdozent und außerplanmäßiger Professor für Indische Philologie an der Universität Tübingen. Er entging nationalsozialistischen Repressalien durch geschicktes Taktieren und vor allem durch seinen Rückzug auf rein sprachliche Themen wie etwa die arische Metrik (228). Wer einen kleinen Eindruck der Gedichte Wellers erhalten möchte, möge den Überblick über die carmina Latina studieren, die L. für die Leserinnen und Leser bereithält (230-237). Im zweiten Beitrag wird der Dichter als zweiter Ovid vorgestellt (243-250). Der dritte Aufsatz der vierten Station befasst sich mit einem Gedicht des italienischen Dichters Giovanni Pascoli (1855-1912): Ultima linea (263-288). Nach einigen Angaben zu Leben und Werk Pascolis offeriert L. den relativ langen Text auf Latein (142 Verse) nebst eigener deutscher Übesetzung, danach eine textchronologische Deutung (274-282) und eine hilfreiche Zusammenfassung der Interpretationsergebnisse. Auch auf Besonderheiten von Pascolis dichterischem Verfahren geht L. ein; der Dichter ist nach Einschätzung Lobes um eine „subjektive Rekonstruktion der Antike im Medium der Poesie“ bemüht (286).

In der fünften Station (Alte Texte neu gelesen, 291-307) werden nochmals Textabschnitte von Ovid und Vergil behandelt und mit Situationen in der aktuellen Gegenwart verglichen. Rezeptionsaspekte spielen auch in der sechsten Station eine große Rolle (Lebendige Nachwirkung, 311-344). In einem Beitrag werden Brücken zwischen Martials Epigramm VIII 79 und Darlegungen von Baltasar Gracián und Arthur Schopenhauer geschlagen, in einem weiteren Aufsatz zwischen Martial und Robert Gernhardt, während zwei Gedichte der Historia Augusta in einem dritten Aufsatz im Vordergrund stehen, die von Florus und Kaiser Hadrian stammen und als Neckerei zwischen den beiden verstanden werden können (327). Auch Johann Wolfgang von Goethe hat sich in der 15. Römischen Elegie mit dieser Thematik befasst, ebenso die französische Schriftstellerin Marguerite Yourcenar in ihrem Roman »Mémoires d‘Hadrian«. Hier liefert der Fachdidaktiker Michael Lobe Überlegungen, wie diese Texte und deren Rezeption im Unterricht behandelt werden könnten – wie er es zuweilen in bisher genannten Beiträgen bereits praktiziert hat. Der letzte Aufsatz befasst sich mit dem Motiv der Jagd bei Martial, Plinius und Roda Roda (335-344).

In der siebten Station sind sechs Beiträge vereinigt, die den fünften Schwerpunkt darstellen: Didaktische Brücken (347-400). Im ersten Aufsatz (Freude am Latein? Freude am Latein!, 347-355) geht L. der Frage nach, wie es Lehrkräften gelingen kann, ihre Schülerinnen und Schüler für Latein zu begeistern, sie zu motivieren und möglichst lange dieses Fach in der Schule zu belegen. Manch einer erkennt in der Kombination Freude am Latein möglicherweise ein Oxymoron, wie L. es formuliert (347). Als Praktiker und Realist weiß L. natürlich, dass es häufig Klagen über ein zu geringes Stundendeputat für Latein gibt, dass Lehrkräfte bisweilen die administrativen Vorgaben für überzogen und insgesamt einen Großteil der Schülerschaft nicht für das Gymnasium geeignet halten (347); er rät aber den Lehrenden, „in der konkreten täglichen Praxis darauf fokussiert“ zu sein, „an den“ ihnen „möglichen wirksamen Stellschrauben zu drehen – mit dem Ziel unterrichtlichen Erfolgs und daraus erwachsender Zufriedenheit bei sich und den SuS“ (347). In den folgenden Abschnitten unterbreitet L. Vorschläge, die dazu führen können, die Freude am Latein zu steigern, zum Beispiel planvoll »Highligths« zu inszenieren (349), der Grammatik den ihr gebührenden Rang einzuräumen, aber sie nicht überzubewerten, mögliche Schwierigkeiten, die sich bei der Lektüre einstellen können, vorherzusehen und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen usw. (349-355). Hier wie auch bei den anderen Beiträgen empfiehlt der Rezensent eine intensive Lektüre des Beitrags. Das in einem erfolgreichen Lateinunterricht dem Sachwissen der entsprechende Rahmen gewährt werden sollte und wie dies umgesetzt werden kann erörtert L. in der zweiten Abhandlung (Sachwissen im gymnasialen Lateinunterricht, 357-366). Einen Satz möchte ich zitieren, weil er vielsagend ist und zeigt, welche Bedeutung L. einem gut geplanten Unterricht einräumt und wie er sich die Konzeption von Lateinunterricht überhaupt vorstellt: „Lateinunterricht am Gymnasium bedeutet in erster Linie Sprachunterricht“ (365). Dem Thema: Handlungsfeld Lektüreunterricht (367-373) widmet L. den fünften Beitrag, wobei er am Ende auch einen Kanon möglicher Texte anspricht. Einen Autor der Spätantike hält L. in der Mittelstufe für besonders geeignet: Eutrop. Daher beschäftigt er sich in einem speziellen Aufsatz mit diesem Autor und erläutert, warum er für die Lektüre des Breviarium Historiae Romanae plädiert (Eutrop – ein idealer Autor für die erste Lektüre, 381-390). Ich möchte den Hinweis nicht unterlassen, dass L. ein Lektüreheft für diesen Text konzipiert hat (Ders., Highlights der römischen Geschichte. Lektüretraining mit Eutrops Breviarium Historiae Romanae. Bamberg 2012). L. bietet erhellende Bemerkungen zu einem Begriff, der lange Zeit als Indiz für einen rückständigen Unterricht galt: Frontalunterricht (Frontalunterricht – Zur Klärung eines Begriffs, 375-379). Auch wenn der Beitrag relativ kurz ist, enthält er zahlreiche bedenkenswerte Aspekte und trägt zur Versachlichung bei der Diskussion um den Begriff bei. Im letzten Aufsatz der siebten Station (Der stumme Redner Rufus. Ein Epigrammzyklus des Ausonius als Bereicherung der Martiallektüre, 391-400) entführt L. die Leserinnen und Leser in die Spätantike, und zwar zum „ersten Franzosen der Weltliteratur“ – wie Michael von Albrecht Decimus Magnus Ausonius bezeichnet hat (M. von Albrecht, Geschichte der römischen Literatur. München 1994, Bd. 2, 1047).

Die letzten vier Beiträge hat L. unter die achte Station subsumiert: Bunte Vielfalt (403-436). In einem Aufsatz steht das Thema: Liebe im Vordergrund (Ein Dialog über Liebe zwischen Martial, Catull und Horaz, 403-410), während im zweiten Beitrag Textabschnitte einiger bedeutender Neulateiner vorgestellt und interpretiert werden; es handelt sich um Autoren wie Giovanni Pascoli, Josef Eberle, Michael von Albrecht und Harry C. Schnur, die Texte auf die Stadt Rom gedichtet haben (Sic me non servavit Apollo. Ein ungewöhnliches Romgedicht, 411-418). Vielen Menschen gilt ungebetener Besuch nicht immer als willkommene Abwechslung, dies war in der Antike nicht anders, wie uns L. an einigen Textbeispielen exemplarisch zeigen möchte (Importuni ianuae pulsatore – Ungebetener Besuch bei römischen Dichtern, 419-423). Der vierte Beitrag bildet den Schlussakkord in dieser Station: Von Seifen- und Spekulationsblasen – Skizze einer >unplatzbaren< Metapher (425-436). L. präsentiert eingangs eine Kleine Phänomenologie der Blase (425-426), um dann den klassischen Textabschnitt (Varro, res rust. I. 1) des römischen Gelehrten Marcus Terentius Varro aus Reate (116-27 v. Chr.) als Ausgangspunkt für seine Gedanken zum gewählten Thema zu präsentieren. Dazu werden weitere Textstellen von Petron (Satyricon), Erasmus von Rotterdam (Adagia), Friedrich Taubmann (Melodaesia sive Epulum Museaum) und Hermann Weller (Disceptio amantium) präsentiert (Lateinisch/Deutsch) und interpretiert. Den Schluss des Beitrags bildet ein Blick auf Blasen in der aktuellen Zeit.

Abschließend kann festgehalten werden, dass Michael Lobe mit diesem Buch die reichen Früchte seiner bisherigen Arbeit zu einem bunten Strauß verbunden hat. Er bedient sich dabei eines flüssigen und gut lesbaren Stils, bietet seine Gedanken in knappen Beiträgen, die selten mehr als zehn Seiten umfassen und schafft Gelegenheiten, über viele Punkte nachzudenken. In einigen Beiträgen bietet L. auch politische Aspekte, nicht nur in Bezug auf Gedanken zum Zeitalter des Augustus, sondern auch wenn es um Fragen der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg, der Weimarer Republik und des Nationalsozialismus bzw. des NS-Regimes geht. Der Rezensent empfiehlt das Opus nicht nur den Fachkolleginnen und Fachkollegen, sondern auch Studentinnen und Studenten der Klassischen Philologie und Referendarinnen und Referendaren mit dem Fach Latein. Besonders die letzten beiden genannten Zielgruppen werden mit vielen wichtigen Autoren, Motiven und Themen der lateinischen Literatur vertraut gemacht, sie lernen systematisch, wie man Texte interpretieren und unter didaktischen Gesichtspunkten Textstellen miteinander verknüpfen kann. Außerdem können sie erkennen, dass die lateinische Literatur nicht auf die augusteische und frühkaiserliche Zeit beschränkt ist, sondern es auch lohnenswerte Textpassagen aus der Spätantike und der Neuzeit – bis in unsere eigene Zeit ausgreifend – gibt, die den Vergleich mit den klassischen Autoren und Dichtern nicht zu scheuen brauchen.

Rezensent: Dietmar Schmitz

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