Ausstellung „Göttinnen und Gattinnen. Frauen im antiken Mythos” im Alten Museum Berlin, nähere Informationen:
https://www.smb.museum/ausstellungen/detail/goettinnen-und-gattinnen/
Ausstellung „Göttinnen und Gattinnen. Frauen im antiken Mythos” im Alten Museum Berlin, nähere Informationen:
https://www.smb.museum/ausstellungen/detail/goettinnen-und-gattinnen/
Christine Schmitz, Mythen und kein Ende. Zum Umgang mit Mythen in der lateinischen Literatur der Spätantike. Stuttgart (Anton Hiersemann) 2025. (Standorte in Antike und Christentum 13). 257 S. ISBN 978-3-7772-2312-4, € 59,00.
Dass die antiken Mythen in Literatur und Kunst des Mittelalters, der Neuzeit und der Gegenwart so umfassend aufgegriffen werden, dass sie nach wie vor bis in die Populärkultur als Grundnarrative nachwirken, das verdankt sich einer Tatsache: Dass die Mythen in den Transformationsprozessen des Spätantike von nichtchristlichen und eben auch von christlichen Autoren weiterhin genutzt und gedeutet wurden. Wie man sich diesen wichtigen Schritt in der Wirkungsgeschichte der antiken Mythologie vorzustellen hat, schildert das Buch von Christine Schmitz. Zunächst hält die Verfasserin die methodischen Grundlagen ihrer Arbeit fest und führt durch die neuere Forschung. Das Kapitel II beschreibt dann, programmatisch für das ganze Buch, Grundtechniken, wie die christliche Literatur mit Mythen umgehen kann – so können sie beispielsweise durch biblische Narrative substituiert oder mit diesen in einer Art Wettbewerb gegenübergestellt werden. Kapitel III führt das breite Tableau der vor Augen, in dem christliche Autoren die Mythen als Beispiele. Kapitel IV skizziert dann vor allem anhand der Weltschöpfungs- und der Unterweltsmythen, in denen strukturelle Parallelen zwischen Mythos und Bibel unübersehbar sind, die Diskussion um einen möglichen oder fehlenden Wahrheitsgehalt der Mythologie. In Kapitel V geht es um die Mythenkritik als solche, in Kapitel VI um die Mythen als Materialgrundlage für die christliche Kritik an den antiken Göttern. Das Schlusskapitel VI bietet ein konkretes Beispiel: Am Mythos von Danaë, die von Zeus schwanger wird, nachdem dieser in einem Goldregen zu ihr gekommen ist, bietet die Möglichkeit, alle christlichen Annäherungen an ein Narrativ zu studieren: die rationalistische Deutung (der Goldregen steht für eine Bestechung der Wächter) ebenso wie den Vergleich mit der christlichen Jungfrauengeburt, der wiederum als erläuternde Analogie und als Beispiel für Konkurrenz und Übertreffen angewandt werden kann. Auf das Literaturverzeichnis folgen dann noch ein Register der mythischen Gestalten und ein Stellenregister, die aus dem Buch zugleich ein kleines mythologisches Nachschlagewerk machen. Bei aller wissenschaftlichen Expertise der Verfasserin – das Buch ist lebendig geschrieben und bestens lesbar. Die vielen Zitate aus der griechischen und römischen Literatur, die das Verständnis erleichtern und die Gedanken konkretisieren, sind übersetzt. Das geistreiche Werk schließt nicht nur eine Lücke in der Mythenrezeption, es führt auch immer wieder ganz unwillkürlich auf unmittelbar relevante Fragen und Einblicke: Wie wird in einer Gesellschaft Wahrheit verwandelt? Wer bestimmt, was Fake ist? Auf welche Narrative bezieht man sich? Und vor allem: Welche Vielfalt der Haltungen und Positionen kann in der christlichen wie nichtchristlichen Antike nebeneinander bestehen!
Stefan Freund
![]()
Aktuell sind 445 Gäste und keine Mitglieder online